20 Jahre MECHORIA Erfurt. Jubiläumskonzert
Laudatio: Christine Hansmann:
„Fröhlich fangt alle an, mit uns zu singen, zu Lob der Musica, lasst eure Stimm erklingen, zu Lob der Musica!“
dieser Kanon von Melchior Vulpius hat heutige und frühere Chormitglieder durch die Zeiten begleitet. Liebes Publikum, liebe Sängerinnen, lieber Andreas Korn, ich freue ich mich von ganzem Herzen, heute hier als Tochter des „Gründungsvaters“, wenn man so sagen kann, gratulieren zu dürfen!
19 Sängerinnen und ihr Dirigent sind es, die uns zum Jubiläum ein Fest bereiten, Freude, Erfüllung, Hochgenuss. Sie singen seit 20 Jahren miteinander, in Thüringen beheimatet und doch über Thüringen hinaus, in Kirchen und Schlössern, auf Festivals, Wettbewerben und Chortreffen. Das Publikum dankt es mit Treue und Begeisterung, ob in der Mitte oder im Norden Deutschlands, ob in Italien oder der Schweiz. Das Repertoire ist dabei weit gefächert: vom Barock über die Romantik bis zur Moderne, vom Kanon zum Kunstlied, vom europäischen Volkslied bis zu Uraufführungen von Liedern des 21. Jahrhunderts. Auch das heutige Programm spiegelt diese Breite in seiner ganzen stilistischen Vielfalt.
MECHORIA, ein Name, in dem sich Memoria, die Erinnerung, mit dem Begriff Mädchenchor verbinden – Zurückdenken und Vorausschauen zugleich. Wiedergründung und Name verdanken sich dem Enthusiasmus einiger ehemaliger Sängerinnen des Erfurter Mädchenkammerchores um Gertraud Sasse-Hansmann und Angelika Reiser-Fischer, die anlässlich eines Gedenkkonzertes für den 2002 verstorbenen Chorleiter Helmut Hansmann zusammentrafen und wenig später den Neubeginn als kleiner Frauenchor wagten.
Mittlerweile sind neue Stimmen dazugekommen, der Chor ist gewachsen und zusammengewachsen, war zum Beispiel in der Coronazeit mit Hilfe der digitalen Medien eine verlässliche soziale Stütze und hat auch, sobald es möglich war, seinem Publikum mit Auftritten im Freien wieder Freude bereitet. Trotzdem ist das Andenken an den Leiter des Mädchenkammerchores nach wie vor lebendig, an seine hohen musikalischen Maßstäbe, seinen Großmut und seine Begeisterungsfähigkeit. Viele Mitglieder verdanken ihm in den Jahren von 1971 bis in die Neunziger die Erinnerung an eine unbeschwerte Zeit des gemeinsamen Singens und die Liebe zur Musik für ihr ganzes Leben.
Die letzten vier Jahre brachten für MECHORIA neben vielen regelmäßigen Konzerten einige Höhepunkte, so die Beteiligung am Adventssingen der sächsischen Chöre 2023 im Gewandhaus zu Leipzig oder erneut am Chorprojekt „Singen in Thüringer Schlössern“ mit Konzerten auf der Schwarzburg und in Schloss Wilhelmsthal.
Kurz vor dem 20jährigen Jubiläum hat sich der Frauenkammerchor selbst ein Geschenk gemacht, um das, mit allem Aufwand, den eine solche Produktion bedeutet, lange gerungen wurde: die CD „Hell schon erglüh’n die Sterne“. Und es hat sich gelohnt! Neben einer Fülle der schönsten Abendlieder der Chorliteratur sind darin auch das ungarische Volkslied „Esti dal“ und „Die Mondnacht“ von Alexis Hollaender enthalten – beide hören Sie heute am Schluss des Programms.
„Esti dal“ gehört wie auch „O du stille Zeit“ von Cesar Bresgen, Waelrants „An einem Bächlein“ oder das Litauische Volkslied „Teviske“ zu den Liedern, die auch schon den damaligen Mädchenkammerchor geprägt haben und die die Tugenden des Chorgesangs von MECHORIA aufs Schönste vorstellen: Klangschönheit, Homogenität, klare Diktion. Und Innigkeit. Das ist – wie wir gerade so wunderbar hören konnten – was sich unmittelbar überträgt: die Herzenswärme, die Beseeltheit des Klanges, die helle Leichtigkeit.
In Andreas Korn, der MECHORIA kurz nach seiner Neugründung übernommen hat und jetzt seit zwanzig Jahren mit Hingabe und Unermüdlichkeit leitet, hat der Chor einen Dirigenten, der diese Ideale pflegt und fördert und sich mit seinen reichhaltigen Erfahrungen als Pianist und Chorleiter einbringt. Dass es dabei auch mühevoll zugehen kann, liegt auf der Hand: das Ergebnis eines Probenprozesses, zumal für Musik des 20. oder 21. Jahrhunderts, ist kein Selbstläufer, erfordert für alle Beteiligten Sorgfalt und Geduld. Das eben gehörte „Siebenfältig“ wie der nachfolgende „Glockenkanon“ stellen Andreas Korn zudem als Komponisten vor, auch mit Vertonungen eigener Texte.
Mit Andrea Frei-Koch hat der Dirigent seit vielen Jahren eine Fachkraft an seiner Seite, die sich mit ihrer umfassenden Expertise als Gesangspädagogin, Sängerin und Logopädin erfolgreich in der Stimmbildung des Chores engagiert.
Gemeinsam zu singen, ist ein Fest. Gemeinsam zuzuhören, bedeutet Freude, Erfüllung, Hochgenuss. Wir danken für das reichhaltige Programm des heutigen Tages, das noch lange nicht beendet ist! Wir danken für so viele nachhallende Konzert-Geschenke, die Ihr, liebe MECHORIA Sängerinnen, gemeinsam mit Andreas Korn, in den letzten 20 Jahren Eurem Publikum gebracht habt!
„Lasst eure Stimm weiterhin erklingen, zu Lob der Musica!“ Wir gratulieren herzlichst und mit großer Freude zum Jubiläum!